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Bundesweiter Hitzeaktionstag im Dünningsbruch: Über 50 Teilnehmer diskutieren über Stadtklima, Gesundheit und die Bedeutung von Frischluftschneisen

Der bundesweite Hitzeaktionstag am 11. Juni stand in diesem Jahr unter dem Leitgedanken, die Bevölkerung für die gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitze zu sensibilisieren und die Bedeutung kommunaler Hitzeaktionspläne stärker in den Fokus zu rücken. Initiatoren weisen darauf hin, dass Hitze inzwischen das größte klimabedingte Gesundheitsrisiko in Deutschland darstellt und Kommunen ihre Städte widerstandsfähiger gegenüber Extremhitze entwickeln müssen.

Vor diesem Hintergrund veranstaltete die Initiative Lebensraum Dünningsbruch einen geführten Informationsrundgang durch den Dünningsbruch in Hagen. Über 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort ein Bild von der ökologischen und klimatischen Bedeutung dieses Landschaftsraums zu machen.

Natur erleben – Zusammenhänge verstehen

An mehreren Stationen erläuterten Expertinnen und Experten verschiedener Institutionen die Besonderheiten des Dünningsbruchs. Themen waren unter anderem:

  • die Bedeutung der Wald- und Grünflächen für das lokale Klima,
  • die Funktion der dauerhaft feuchten Böden,
  • der Wasserhaushalt des Gebietes,
  • die Artenvielfalt,
  • sowie die Rolle des Dünningsbruchs als klimatischer Ausgleichsraum.

Der Rundgang machte deutlich, dass der Dünningsbruch weit mehr ist als eine Grünfläche. Er erfüllt eine Vielzahl natürlicher Funktionen, die sich gegenseitig ergänzen und für das ökologische Gleichgewicht sowie für die Lebensqualität in Hagen von großer Bedeutung sind.

Der Hitzeaktionsplan der Stadt Hagen im Mittelpunkt

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Hitzeaktionsplan sowie den Klimaanalysen der Stadt Hagen.

Anhand offizieller Planungsunterlagen wurde erläutert, weshalb der Dünningsbruch in den städtischen Klimakarten als klimatisch besonders bedeutsamer Bereich ausgewiesen wird. Die Teilnehmer konnten nachvollziehen, welche Funktion das Gebiet als Kaltluftentstehungsgebiet und Frischluftschneise für die Hagener Innenstadt übernimmt.

Gerade in den Abend- und Nachtstunden entsteht über unbebauten Grünflächen kühlere Luft. Über natürliche Luftleitbahnen – sogenannte Frischluftschneisen – kann diese Luft in stärker aufgeheizte Stadtbereiche strömen. Dort trägt sie zur nächtlichen Abkühlung bei, verbessert den Luftaustausch und unterstützt den Abtransport von Wärme und Luftschadstoffen.

Diese natürlichen Prozesse gewinnen mit zunehmenden Hitzeperioden immer stärker an Bedeutung.

Hitzeschutz bedeutet Gesundheitsschutz

Der bundesweite Hitzeaktionstag macht deutlich, dass Hitzeschutz heute weit mehr ist als eine Frage des persönlichen Wohlbefindens. Extreme Hitze stellt insbesondere für ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Aus diesem Grund entwickeln immer mehr Kommunen Hitzeaktionspläne, um gesundheitliche Belastungen zu reduzieren und Städte klimaresilient zu gestalten.

Vor diesem Hintergrund stellt sich zwangsläufig die Frage, welche Bedeutung bestehende Kaltluftentstehungsgebiete und Frischluftschneisen künftig für die Stadtentwicklung haben.

Viele Fragen aus der Bürgerschaft

Während des Rundgangs entwickelte sich ein intensiver Austausch zwischen den Teilnehmern und den anwesenden Experten.

Dabei wurde insbesondere diskutiert,

  • welche Bedeutung der Dünningsbruch für das Stadtklima besitzt,
  • wie die klimatischen Bewertungen der Stadt Hagen zustande gekommen sind,
  • welche Auswirkungen Veränderungen eines Frischluftkorridors auf die Innenstadt haben könnten,
  • und welche Rolle die Ergebnisse der Klimaanalysen im weiteren Planungsprozess spielen.

Der große Zuspruch zeigte deutlich, wie groß das Interesse an einer faktenbasierten Diskussion über den Dünningsbruch ist.

Eine Frage bleibt offen

Der bundesweite Hitzeaktionstag verfolgt das Ziel, Menschen vor den gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitze zu schützen.

Gerade deshalb stellt sich eine grundlegende Frage:

Wie lässt sich ein Eingriff in einen von der Stadt selbst als klimatisch bedeutsam eingestuften Kaltluft- und Frischluftbereich mit den Zielen des Hitzeaktionsplans vereinbaren?

Wenn offizielle Klimaanalysen auf die besondere Bedeutung eines Gebietes für die Frischluftversorgung und das Stadtklima hinweisen, sollte nachvollziehbar dargelegt werden, weshalb hiervon gegebenenfalls abgewichen wird und auf welcher fachlichen Grundlage mögliche Auswirkungen bewertet wurden.

Denn Hitzeschutz ist kein abstraktes Thema. Er dient dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung.

Gesundheit verdient keine Symbolpolitik

Der Rundgang hat gezeigt, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Stadtentwicklung, Klimaanpassung und Gesundheit beschäftigen.

Gerade deshalb braucht es Transparenz, nachvollziehbare fachliche Bewertungen und eine offene Diskussion über die langfristigen Auswirkungen planerischer Entscheidungen.

Wer in einen klimatisch bedeutsamen Frischluftkorridor eingreifen möchte, sollte belastbar darlegen können, dass dadurch keine unvertretbaren Risiken für das Stadtklima und die Gesundheit der Bevölkerung entstehen.

Denn Gesundheit verdient keine Symbolpolitik.

Hitzeaktionstag 2

Quellen und fachliche Grundlagen:

Die Aussagen zur klimaökologischen Bedeutung des Dünningsbruchs basieren auf den offiziellen Fachunterlagen der Stadt Hagen. Hierzu zählen insbesondere die Klimaanalysekarte Hagen sowie die daraus abgeleitete Planungshinweiskarte Hagen, die vom Regionalverband Ruhr (RVR) erstellt wurden.

Die Klimaanalysekarte bewertet auf wissenschaftlicher Grundlage das Stadtklima und stellt unter anderem Kaltluftentstehungsgebiete, Luftaustauschprozesse, Klimatope sowie lufthygienische Verhältnisse dar. Grundlage sind neben der Bebauungsstruktur auch Grün- und Freiflächen sowie meteorologische Modellberechnungen zu Kaltluftproduktion, Kaltluftabflüssen und nächtlichen Lufttemperaturen.

Die Planungshinweiskarte leitet daraus konkrete Empfehlungen für die Stadtplanung ab. Sie kennzeichnet klimaökologisch wertvolle Ausgleichsräume, schützenswerte Flächen, Luftleitbahnen, Frischluftzufuhrbereiche und Bereiche mit nächtlichen Kaltluftabflüssen. Ziel ist es, die klimaökologischen Funktionen des Stadtgebiets bei zukünftigen Planungen zu berücksichtigen und dauerhaft zu sichern.

Quellen:
https://www.hagen.de/unser-service/umwelt-natur-und-klima/umweltzonen-und-stadtklima/

 Klimaanalysekarte vom Regionalverband Ruhr (RVR) für Hagen
https://www.hagen.de/dateien/aus-dem-rathaus/fachbereiche-und-aemter/f-a-z/umweltamt-2/hitzeschutz/aklimaanalysekarte-hagen.pdf

Planungshinweiskarte Hagen
https://www.hagen.de/dateien/aus-dem-rathaus/fachbereiche-und-aemter/f-a-z/umweltamt-2/hitzeschutz/aplanungshinweise-hagen.pdf