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Fakten statt Floskeln: „Alternativlos“ – wirklich?

Warum das Bauvorhaben Im Dünningsbruch kein Sachzwang, sondern eine politische Entscheidung ist und ein Schildbürgerstreich mit Ansage ist

In der öffentlichen Debatte um die geplante Gesamtschule Im Dünningsbruch hört man ein Wort besonders häufig: „alternativlos“. Es klingt nüchtern, sachlich, alternativlos eben. Die Entscheidung sei getroffen, alles sei geprüft, es gebe schlichtweg keine andere Möglichkeit. Doch wie so oft lohnt sich ein zweiter Blick. Denn kaum ein Begriff verschleiert so geschickt politischen Willen als Sachzwang wie dieser.

Und wer den Vorhang der Alternativlosigkeit einmal lüftet, entdeckt: Es gibt eine Alternative. Eine gute sogar. Und sie liegt – man glaubt es kaum – direkt auf der anderen Straßenseite.


Die offizielle Geschichte: Wir müssen schnell handeln!

Laut Stadtverwaltung besteht akuter Handlungsbedarf: Hagen braucht dringend Schulplätze, eine neue sechszügige Gesamtschule soll her – und zwar im Stadtteil Halden. Der Standort „Im Dünningsbruch“ sei ideal, heißt es. Und alternativlos.

Geplanter Eröffnungstermin: 2030 oder 2031. Dann sollen rund 800 Schülerinnen und Schüler in einen neuen, modernen Schulkomplex einziehen. Soweit, so ambitioniert.


Die inoffizielle Realität: Ein leerstehender Bildungscampus gleich nebenan?

Während auf der einen Seite der Straße schweres Gerät anrückt, Baugruben entstehen und ökologisch wertvolle Flächen weichen müssen, geschieht gegenüber – ebenfalls im Jahr 2030 – etwas Bemerkenswertes:

Die Fachhochschule Südwestfalen, heute noch ansässig an der Haldener Straße, plant seit Jahren ihren Umzug auf das Gelände der FernUniversität. Sollte dieses Vorhaben wie vorgesehen umgesetzt werden, wird im gleichen Jahr ein vollständiger Hochschulcampus für rund 1.200 Studierende frei. Mit allem, was man für Bildung braucht:

  • Gebäude,
  • Technik,
  • Infrastruktur,
  • Anbindung,
  • Parkplätze,
  • zentrale Lage.

Man stelle sich das bildlich vor:
Links das rote Band für die Eröffnung der neuen Gesamtschule durchschnitten – rechts ein leerer, voll ausgestatteter Bildungscampus mit Platz für mehr Schüler, als die neue Schule aufnehmen kann.
Willkommen im Bildungs-Schilda des 21. Jahrhunderts.


Zwei Szenarien – beide mit Alternative

Wichtig ist: Der FH-Umzug ist noch nicht beschlossen, aber in konkreter Planung. Und daraus ergeben sich zwei einfache Varianten:

  • Variante A: Die FH zieht um.
    Dann wird das Gelände an der Haldener Straße 2030 frei. Eine ideale Gelegenheit für eine neue Gesamtschule. Bestehende Gebäude könnten möglicherweise sogar umgebaut werden, mit erheblich weniger Kosten und Zeitaufwand als ein kompletter Neubau im Grünen.
  • Variante B: Die FH bleibt.
    Dann findet der Neubau nicht an der FernUniversität statt – dort stünde eine Fläche für einen Schulneubau zur Verfügung. Ebenfalls zentral gelegen, mit guter ÖPNV-Anbindung, und ganz ohne Eingriff in ein sensibles Landschaftsareal.

Beide Varianten liefern die Lösung, die angeblich nicht existiert.


Warum wird das nicht ernsthaft geprüft?

Das wirklich Erstaunliche: Diese naheliegende Alternative wurde nicht von der Stadt gefunden, sondern von Bürgerinnen und Bürgern. Sie war weder Teil der politischen Kommunikation noch wurde sie – soweit nachvollziehbar – in einer strukturierten Alternativenprüfung behandelt.

Das wirft Fragen auf:

  • Hat man sich zu früh auf den Dünningsbruch festgelegt?
  • Gab es überhaupt eine ergebnisoffene Standortsuche?
  • Und wenn Bürger auf solche Lösungen stoßen – warum gelingt es der Verwaltung nicht?

Ein solches Vorgehen ist kein Zeichen für Alternativlosigkeit. Es ist ein Zeichen für fehlende systematische Prüfung. Und für einen politischen Willen, der sich auf eine Lösung festgelegt hat – unabhängig davon, ob sie sinnvoll, nachhaltig oder kosteneffizient ist.


Weitere Alternativen? Ja – und nicht zu knapp!

Die angebliche Alternativlosigkeit wird noch absurder, wenn man bedenkt: Es gibt nicht nur eine, sondern gleich mehrere denkbare Standorte, die für eine neue Gesamtschule in Frage kämen. Viele davon wurden von engagierten Bürgerinnen und Bürgern zusammengetragen – teils mit deutlich höherem stadtstrategischem Potenzial als der Dünningsbruch.

Eine Auswahl möglicher Standorte:

  • Aktueller FH-Standort Haldener Straße (bei Umzug zur FernUni) bzw. Flächen an der FernUniversität Hagen (wenn FH nicht umzieht)
  • Brandt-Gelände (ehem. Gewerbe- und Industriebrache mit Entwicklungspotenzial)
  • Potenzielle Nachnutzung des Standorts der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung (HSPV)
    – auch hier ist ein Wegzug mittelfristig im Gespräch
  • Westfalia-Gelände, da durch die mögliche Höhe sehr viel Platz geschaffen werden kann
  • Konversionsflächen aus laufenden Strukturveränderungen im Stadtgebiet
    (z. B. durch Rückbau, Leerstand, Flächenreorganisation)
  • Laufend neu entstehende Flächen durch Geschäftsaufgaben, demografischen Wandel und wirtschaftlichen Strukturwandel in Hagen

Angesichts der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung in Hagen kommen nahezu täglich neue Flächenoptionen hinzu – Flächen, die nicht versiegelt, erschlossen oder konfliktbelastet sind.

Die Bürger haben eine ausführliche Liste mit Alternativen, die keine neue Versiegelung zu folge hätten, vorgelegt. Doch was macht die Politik?

Sie weigert sich, diese Alternativen überhaupt prüfen zu lassen – weil sie das eigene Narrativ der Alternativlosigkeit nicht gefährden will. Das ist kein verantwortungsvolles Handeln im Sinne des Gemeinwohls – das ist politisches Festhalten an einer einmal getroffenen Entscheidung gegen besseren Wissens.

Wer von „alternativlos“ spricht, will keine Debatte.
Wer Alternativen ignoriert, verhindert bessere Lösungen.
Und wer Lösungen der Bürger unbeachtet lässt, verspielt Vertrauen.

Die Stadt Hagen hat die Chance, durch echte Transparenz, ergebnisoffene Prüfung und Zusammenarbeit mit der Bürgerschaft eine sinnvolle und nachhaltige Schulentwicklung zu gestalten.

Ein letzter Gedanke: Wer sucht, der findet – aber warum muss die Bürgerschaft suchen?

Es kann und darf nicht Aufgabe der Bürgerschaft sein, tragfähige Alternativen für ein millionenschweres Bauvorhaben der Stadt zu recherchieren und zusammenzustellen. Genau dafür gibt es Politik, Verwaltung, Stadtplanung und Beteiligungsverfahren.

Doch wenn es engagierten Bürgerinnen und Bürgern in kürzester Zeit gelingt, gleich mehrere geeignete Standorte aufzulisten, dann lässt das tief blicken:

  • Wurde wirklich gesucht – oder wurde nur das bestätigt, was man ohnehin wollte?
  • Wie systematisch, ergebnisoffen und professionell war die Standortprüfung wirklich?
  • Und vor allem: Warum scheut man sich so sehr davor, diese Liste ernsthaft zu prüfen?

Fazit: Alternativlos? Oder einfach nur schlecht geprüft? Oder gibt es andere Interessen?

Die Geschichte vom angeblich „alternativlosen“ Neubau im Dünningsbruch ist ein Beispiel für politische Kommunikation, die Entscheidungen als zwangsläufig tarnt. In Wahrheit handelt es sich um eine Entscheidung mit Alternativen – von denen eine besonders nahe liegt. Nur leider eben nicht ins politische Kalkül passt.

Dass diese Alternative durch die Bürgerschaft selbst entdeckt werden musste, zeigt deutlich: Die Suche nach besseren Lösungen hat nicht stattgefunden – oder wurde frühzeitig beendet.

Und so droht Hagen ein Schildbürgerstück:

  • Während auf der einen Seite der Straße Natur versiegelt, eine Schule für 800 Schüler gebaut und Millionen ausgegeben werden,
  • steht auf der anderen Seite gleichzeitig ein fertig ausgestatteter Campus leer – mit Platz für 1.200 junge Menschen.

Man könnte schmunzeln, wäre es nicht so ernst.

Die Fakten liegen auf dem Tisch, die Alternativen auch. Am Beispiel der Fachhochschule zeigt sich klar: Es gibt realistische, greifbare Möglichkeiten – und wahrscheinlich noch viele mehr. Jetzt ist es an der Politik, aus einem Schildbürgerstreich eine gute Entscheidung zu machen – durch Transparenz, Offenheit und den Mut zur Korrektur.