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Offener Brief an die Ratsfraktionen der Stadt Hagen

Bauen unter Zeitdruck – aber auf welchem Fundament?

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Diskussion um den Bau einer neuen Gesamtschule im Dünningsbruch bewegt viele Menschen. Die Notwendigkeit guter und ausreichender Schulangebote steht außer Frage. Doch ebenso berechtigt ist die Frage, ob der aktuell verfolgte Weg klug, zukunftsfähig und verantwortungsvoll sowie wirklich alternativlos ist – sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich.

Die aktuell vorgebrachten Hauptargumente von Verwaltung und Politik verdienen eine kritische Prüfung. Denn viele davon halten einer genaueren Betrachtung nicht stand:

1. „Der Standort ist alternativlos“ – wirklich?
Diese Aussage ist nicht haltbar. Ein konkretes Beispiel liefert der geplante Umzug der Fachhochschule: Sollte dieser wie angekündigt 2030/2031 erfolgen, würde in unmittelbarer Nähe zum geplanten Bauvorhaben ein Gebäude mit ausreichender Kapazität und Infrastruktur zur Verfügung. Sollte die aktuelle Prüfung in der Landesregierung den Umzug der FH nicht genehmigen, dann gibt es ein ideal geeignetes Grundstück für eine sechszügige Gesamtschule in der Nähe der Fernuniversität. Das zeigt: In Hagen lassen sich sehr wohl größere Flächen mobilisieren – wenn der politische Wille vorhanden ist. Genau diese Alternative wurde bislang weder öffentlich diskutiert noch ergebnisoffen geprüft. Welche noch? Gab es wirklich eine transparente und ergebnisoffene Alternativensuche und -prüfung?

2. „Die Anbindung ist gut“ – für wen?
Die Feithstraße ist eine stark befahrene Hauptverkehrsachse mit schon heute hohem Staufaktor. Die Berchumerstraße ist zudem stark befahren und in dem Bereich eng, unübersichtlich und ohne Bürgersteige. Wie soll hier eine ÖPNV-Lösung und ein sicheres Hol- und Bringkonzept für mehrere hundert Schüler*innen funktionieren – zumal ohne zusätzliche Flächen und Infrastruktur?

3. „Das Grundstück ist groß genug“ – nur auf dem Papier.
Um die fünfzügige Gesamtschule auf dem Areal unterzubringen, wird tief in die Trickkiste gegriffen. Statt von der realen Waldgrenze aus zu planen, bezieht man sich auf die Grundstücksgrenze – die mitten im Wald liegt.  Zudem werden in dem Konzept beispielsweise Sitzstufen skizziert, aber die benötigten öffentliche Straßen sowie Rangier- und Verkehrsflächen weggelassen. Das Konzept zeigt, dass Parkplätze direkt an den geschützten Landschaftsraum grenzen und nicht ausreichend genug zur Verfügung stehen. Flächen für den notwendigen Lärmschutz sind auch nicht skizziert, aber eben die Sitzstufen. Das Konzept wirkt nicht durchdacht, sondern zurechtgebogen – auf Kosten von Natur, Sicherheit und langfristiger Nutzbarkeit.

4. „Der Bedarf ist akut“ – aber was ist mit morgen?
Tatsächlich fehlen heute 65 Plätze an einer Gesamtschule. Doch die neue Schule soll frühestens 2030/2031 in Betrieb gehen – zu einem Zeitpunkt, an dem die Bevölkerung Hagens laut offiziellen Prognosen weiter sinken wird. Die Regionalstatistik Ruhr mit den Daten von IT.NRW belegt eindeutig das negative Wachstum. Warum braucht eine Stadt die seit Jahren von der Bevölkerungszahl sowie der Wirtschaftsleistung schrumpft immer mehr Flächen? Ist es sinnvoll, auf Grundlage der heutigen Zahl ein überdimensioniertes Bauvorhaben durchzudrücken?

5. „Die Kosten sind marktüblich“ – Augen zu und durch?
Verglichen wird mit Durchschnittskosten anderer Schulprojekte – jedoch ohne die massiven Erschwernisse dieses Standorts zu berücksichtigen: schwierige Hanglage, fehlende Erschließung, aufwendige Kanalisation durch geschütztes Gebiet, schwieriger Baugrund. All das wird das Projekt nicht nur deutlich verteuern, sondern auch das Risiko für Folgekosten drastisch erhöhen. Dies zeigt auch schon das aktuelle Planungskonzept in seinen Ausführungen und sollte berücksichtigt werden. Warum hält man dann an alten Aussagen fest?

Unser Appell an Sie:

Nehmen Sie die neuen Erkenntnisse ernst. Nutzen Sie die nächste Ratssitzung, um die vorliegenden Planungen kritisch zu hinterfragen – sachlich, differenziert und im Sinne des Gemeinwohls.

Es gibt Alternativen. Und die verdienen eine faire und gründliche Prüfung – statt in einem überhasteten Notkonzept Millionen zu investieren und wertvolle Natur dauerhaft zu versiegeln.

Bauen wir für die Zukunft. Aber mit Verantwortung.

Mit konstruktiven Grüßen

Markus Krüger

Lebensraum Dünningsbruch