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Gesamtschule? Ja – aber jetzt, nicht erst frühestens 2031!

Bevölkerungsrückgang, sinkende Schülerzahlen – und trotzdem ein neues Großprojekt?

Der Bau einer neuen Gesamtschule im Dünningsbruch wird mit einem aktuellen Bedarf an Schulplätzen begründet. Dieser Bedarf ist unbestritten – allerdings heute, nicht erst in mehreren Jahren. Und genau hier liegt der Widerspruch.

🔹 Die Bevölkerung in Hagen schrumpft seit Jahren deutlich – und laut offizieller Prognose von IT.NRW wird dieser Rückgang anhalten.
🔹 Das Wachstum der schulpflichtigen Bevölkerung in der SEK I erreicht laut Prognose schon 2028 den Höhepunkt – ab dann sinkt es stark.
🔹 Die neue Schule aber wird frühestens 2031 fertiggestellt.

Was bedeutet das?
Wenn der Bedarf heute da ist, aber die Lösung erst dann kommt, wenn der Bedarf bereits zurückgeht, stellt sich die Frage: Bauen wir hier wirklich für die Zukunft – oder an ihr vorbei?

Entwicklung Bevölkerung und Schulfplicht Dünningsbruch
Abbildung: Entwicklung der schulpflichtigen Bevölkerung im Bereich SEK I sowie Bevölkerungsentwicklung insgesamt für Hagen.

Ersatz oder Wachstum?

Mit dem geplanten Neubau kommen fünf bis sechs Züge an Kapazität neu hinzu. Gleichzeitig wird nicht klar benannt, welche Bestandskapazitäten im Gegenzug entfallen.
➡️ Wird die neue Schule ergänzend gebaut – oder ersetzt sie andere Schulen?
➡️ Und was passiert nach 2031, wenn die Schülerzahlen sinken?

Hier braucht es Transparenz. Ein Neubau muss nicht per se falsch sein – aber er muss ehrlich eingeordnet werden: Geht es um einen Ersatz für alte Strukturen? Oder wird auf Basis eines kurzfristigen Bedarfs dauerhaft zusätzliche Fläche geschaffen – obwohl die Bevölkerung schrumpft?


Warum reden wir nicht über Bestand und kurzfristige Alternativen?

In einer Stadt, deren Wirtschaft schwächelt und deren Einwohnerzahl kontinuierlich sinkt, muss man fragen:
Warum schaffen wir immer neue Flächen, statt bestehende sinnvoll zu nutzen oder umzubauen?

  • Gibt es leerstehende Gebäude, die umgewidmet werden könnten?
  • Welche (temporären) Lösungen federn den Bedarf bis 2031 ab und was passiert mit denen?
  • Ist der Schulneubau im Dünningsbruch wirklich die einzige Option?

Fazit: Bedarfsdeckung ja – aber mit Augenmaß

Es geht nicht um die Verhinderung einer Gesamtschule!
Es geht um eine realistische Bewertung von Bedarf, Zeitpunkt und Standort. Und um die Frage, ob es verantwortungsvoll ist, ein ökologisch sensibles Gebiet zu versiegeln, wenn nach der Fertigstellung kein wachsender Bedarf mehr existiert.

👉 Eine offene Diskussion über Alternativen, Zwischenschritte und langfristige Perspektiven ist überfällig. Die Zahlen liegen auf dem Tisch – jetzt braucht es Fakten statt Vorfestlegungen.

Quelle: Bevölkerungsvorausberechnung 2021 – 2050 nach Altersjahren (91) und Geschlecht – kreisfreie Städte und Kreise | Stand: Mai 2022 | Daten: IT.NRW