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Gesamtschule als Türöffner für Wohnbebauung?

Gesamtschule im Dünningsbruch ist Teil eines Gesamtkonzepts

Was eine Stellungnahme offenbart – und was bisher nicht gesagt wird

Am 25. Februar 2025 startete die Initiative „Dünningsbruch fragt – Politik antwortet“ mit dem Ziel, die politischen Positionen zur geplanten Gesamtschule im Gebiet „Im Dünningsbruch“ transparent und vergleichbar zu machen. Alle Ratsfraktionen wurden gebeten, drei einfache Fragen zum Schulstandort zu beantworten.

Die Antworten fielen unterschiedlich aus – doch eine Formulierung aus der Stellungnahme der SPD-Fraktion vom 19. März lässt besonders aufhorchen:

„Wie Sie ja wahrscheinlich wissen, ist für das Gesamtareal am Dünningsbruch zu einem späteren Zeitpunkt die Erstellung eines Gesamtkonzepts angedacht, das sowohl die Schulnutzung als auch eine potenzielle wohnbauliche Entwicklung im östlichen Bereich vorsieht.“

Diese Aussage ist mehr als nur ein Nebensatz – sie wirft zentrale Fragen auf:


Schulstandort oder strategisches Gesamtprojekt?

Offiziell geht es beim Projekt „Gesamtschule im Dünningsbruch“ um die Deckung eines akuten Schulplatzbedarfs. Doch die SPD macht deutlich: Der Schulbau ist Teil eines größeren Plans, in dem auch Wohnbebauung im bislang unbebauten östlichen Teil des Areals angedacht ist.

Diese Verknüpfung ist brisant – denn sie wurde bisher weder offen diskutiert noch planerisch dargelegt. Sie nährt den Verdacht, dass die Schule vor allem als Türöffner für ein späteres Wohngebiet dient.


Was genau steckt hinter dem „Gesamtkonzept“ – und was bleibt offen?

Bis heute ist nicht bekannt, wie dieses Gesamtkonzept konkret aussieht:

  • Welche Flächen sind betroffen?
  • Wie weit sind die internen Planungen fortgeschritten?
  • Welche Eingriffe in Natur und Landschaftsschutz drohen langfristig?

Das ist besonders heikel, da sich direkt östlich des geplanten Schulstandorts ein geschützter Landschaftsbereich befindet. Eine spätere Ausweitung der Bebauung in dieses Gebiet wäre ein massiver Eingriff – mit weitreichenden Folgen für Natur, Klima und Naherholung.


Wer trägt diesen Plan mit?

Die Frage lautet: Trägt nur die SPD diese strategische Erweiterung mit – oder auch ihre Mitantragsteller CDU und Bündnis 90/Die Grünen?

Der Antrag zum Schulneubau vom 26. Juni 2024 wurde gemeinsam von diesen drei Fraktionen eingebracht. Offiziell äußerten sich CDU und Grüne nicht zu einer möglichen Wohnbebauung. Doch solange kein Widerspruch oder klare Abgrenzung erfolgt, bleibt der Eindruck, dass alle drei Fraktionen mehr als nur einen Schulbau vorantreiben – ohne offene Kommunikation.


Keine Alternativprüfung – kein Auswahlprozess

Auch zur Standortwahl selbst bestehen massive Zweifel an der Transparenz:

In der Einwohnerfragestunde vom 22. Mai 2025 wurde der Rat gezielt gefragt, welche Standortalternativen geprüft wurden – und aus welchen Gründen sie abgelehnt wurden.

Die Antwort der Verwaltung:

  • Es seien „alle“ Flächen geprüft worden – aber konkrete Angaben könne man nicht machen, da es zu viele seien.
  • Eine Übersicht, Kriterienliste oder Bewertungsmatrix? Fehlanzeige.
  • Auf Nachfrage wurde auf das spätere Bebauungsplanverfahren verwiesen – für jetzt lägen keine verwertbaren Informationen vor.

Statt belastbarer Fakten gab es vage Hinweise auf Diskussionen „in den Ausschüssen“.
Ein transparenter, systematischer Auswahlprozess sieht anders aus.


Nicht gegen die Schule – aber für Ehrlichkeit beim Standort

Wichtig ist:
👉 Der akute Schulplatzbedarf wird nicht in Frage gestellt.

Aber: Es muss erlaubt sein, die Wahl des Standorts kritisch zu hinterfragen.

  • Warum wird ein Neubau geplant, der erst 2031 fertig wird, obwohl der Schülerbedarf laut Prognose bereits ab 2028 wieder sinkt?
  • Warum nutzt man nicht bestehende Flächen, modulare Konzepte oder sanierte Gebäude?
  • Warum wird ein Landschaftsraum geopfert, während die Stadt gleichzeitig schrumpft?

Fazit: Offenlegen, was wirklich geplant ist

Die Stellungnahme der SPD zeigt deutlich:
Der Schulstandort ist nicht isoliert zu betrachten, sondern Teil eines größeren Bebauungskonzepts.
Doch dieses Konzept wird nicht offen kommuniziert – weder in Karten, noch in Sitzungen, noch in Plänen.

👉 Wer ehrlich plant, sollte auch ehrlich kommunizieren.
👉 Wer für Bildung eintritt, darf nicht gleichzeitig Natur stillschweigend opfern.