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Der Hitzeaktionsplan der Stadt Hagen: Warum seine Missachtung zur Gefahr wird

Ein städtischer Klimaplan, der klare Grenzen zieht – und eine Politik und Stadtverwaltung, die sie ignoriert

Der Hitzeaktionsplan der Stadt Hagen ist kein beiläufiges Verwaltungsdokument. Er ist das Ergebnis fachlicher Arbeit, basiert auf der Klimanalysekarte vom Regionalverband Ruhr und wurde vom städtischen Umweltamt entwickelt, um die Bevölkerung vor den zunehmenden Folgen des Klimawandels zu schützen. Seine zentrale Aussage: Bestimmte Gebiete dürfen nicht weiter bebaut oder versiegelt werden, weil sie entscheidend zur Durchlüftung, Kühlung und Klimastabilisierung der Stadt beitragen.

Eines dieser Gebiete ist der Dünningsbruch – eine grüne Oase, eingebettet in eine der letzten Frischluftzufuhren der Hagener Innenstadt, mit nachgewiesener Bedeutung für Luftzirkulation, Temperaturausgleich und Wasserhaushalt.

Die Hitzeplanung des Umweltamtes sagt: Keine Bebauung innerhalb der klimatischen Baugrenzen.
Die Politik und die Verwaltung sagt: Hier bauen wir eine Schule.

Klimaplan kontra Bauplan – ein Widerspruch, der nicht erklärbar ist

Im offiziellen Dokument „Planungshinweise der Stadt Hagen zur Klimaanpassung“ heißt es unmissverständlich:

„Zum Schutz von klimatisch wertvollen Räumen […] sollte an diesen Stellen eine über die Begrenzung hinausgehende Bebauung vermieden werden.“

Diese „klimatischen Baugrenzen“ wurden exakt definiert – ausgerechnet das Gelände „Im Dünningsbruch“ liegt mittendrin. Es fungiert als Frischluftschneise, Kaltluftsammler und Ausgleichsraum – mit messbarem Einfluss auf das Stadtklima.

Und dennoch: In den aktuellen politischen Bauvorlagen zum Standort ist dieser Umstand nicht einmal erwähnt. Im Gegenteil – dort steht:

„Keine Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung.“

Ein Widerspruch, der sich mit Sachkenntnis nicht mehr begründen lässt.

Die politische Frage lautet: Wozu macht man überhaupt Klimapläne?

Die Stadt Hagen hat sich 2021 mit ihrem Hitzeaktionsplan auf ein Ziel verpflichtet: Die Gesundheit der Bevölkerung in Zeiten zunehmender Hitzebelastung zu schützen. Es geht dabei nicht nur um abstrakte Zahlen, sondern um ganz konkrete Folgen:

  • nächtliche Überhitzung der Stadtteile
  • steigende Atemwegserkrankungen
  • erhöhte Sterblichkeit bei Hitzewellen
  • Belastung für Kinder, Senioren und Kranke

Die Strategie: Schützen, was kühlt. Bewahren, was durchlüftet.
Und genau das soll nun bewusst geopfert werden, um ein Bauvorhaben durchzusetzen, das an anderer Stelle deutlich besser aufgehoben wäre.

Keine fachliche Auseinandersetzung im Stadtrat

Besonders brisant: In keiner der bisherigen Ratssitzungen wurde offen über den Widerspruch zwischen Bauplanung und Klimastrategie gesprochen. Kein Hinweis auf die Frischluftzufuhr. Kein Verweis auf die klimatischen Baugrenzen. Keine Nachfrage nach den langfristigen Risiken.
Stattdessen: Stillschweigen – obwohl die Fakten öffentlich zugänglich und den politischen Akteuren bekannt sind.

Wer schweigt, obwohl er es besser weiß, übernimmt Verantwortung für die Folgen.

Klimapolitik beginnt vor der eigenen Haustür

Der Fall Dünningsbruch ist kein Einzelfall. Aber er ist ein Paradebeispiel dafür, wie ambitionierte Klimastrategien an der Umsetzung scheitern, wenn sie der politischen Agenda im Weg stehen. Der Hitzeplan der Stadt Hagen ist ein Dokument mit klarem Auftrag – doch er wird derzeit behandelt, als wäre er ein loses Meinungsbild.

Dabei ist klar:

  • Wer Frischluftschneisen versiegelt, erhöht das Risiko für Hitzeinseln.
  • Wer klimatische Baugrenzen ignoriert, schwächt den Schutz für die Bevölkerung.
  • Wer Klimapläne macht und dann missachtet, verliert an Glaubwürdigkeit.

Unser Fazit

Der Hitzeaktionsplan ist ein Warnsignal – und er spricht eine klare Sprache: Der Dünningsbruch darf nicht bebaut werden. Nicht, wenn man die eigenen Prinzipien ernst nimmt. Nicht, wenn man die Menschen in der Stadt schützen will. Und nicht, wenn man Politik mit Verantwortung betreibt.

Wer hier baut, handelt gegen besseres Wissen. Und das ist vielleicht das größte Problem.

Nachtrag: Nach einer Umstrukturierung der Webseite der Stadt Hagen ist diese Karte mit Planungshinweisen wieder online direkt verfügbar:

https://www.hagen.de/unser-service/umwelt-natur-und-klima/umweltzonen-und-stadtklima

https://www.hagen.de/dateien/aus-dem-rathaus/fachbereiche-und-aemter/f-a-z/umweltamt-2/hitzeschutz/aplanungshinweise-hagen.pdf

Hier der Auszug für das Gebiet Dünningsbruch wo man schön die klimatischen Baugrenzen erkennt.

Hitzeplan Stadt Hagen Duenningsbruch
Hitzeplan Stadt Hagen Duenningsbruch