Warum der Dünningsbruch über Leben und Gesundheit entscheidet!
Viele Menschen in Hagen diskutieren derzeit über den geplanten Neubau einer Gesamtschule im Dünningsbruch. Es geht um Schulplätze, die dringend gebraucht werden. Doch bei aller verständlichen Sorge um Bildung darf eines nicht vergessen werden: Diese Fläche ist kein gewöhnliches Baugebiet. Sie ist ein entscheidender Schutzraum für die Gesundheit von Tausenden Menschen in unserer Stadt.
Der Dünningsbruch ist ein sogenanntes Kaltluftentstehungsgebiet. Hier entsteht in den späten Abend- und Nachtstunden frische, kühle Luft, die hangabwärts in die dicht besiedelten Stadtteile zieht. Dieser natürliche Luftstrom sorgt dafür, dass die Innenstadt in heißen Sommernächten um mehrere Grad abkühlt. Er trägt dazu bei, dass Schadstoffe verdünnt und Ozonbelastungen reduziert werden.
Wer diesen Raum zubaut, zerstört eine natürliche Klimaanlage – für immer.
Hitze ist längst eine Gesundheitsgefahr
Es gibt heute keinen Zweifel mehr daran, dass die Temperaturen in unseren Städten steigen. In Hagen haben wir schon jetzt regelmäßig Tropennächte, in denen das Thermometer nicht unter 20 Grad fällt. Asphalt, Beton und versiegelte Flächen speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts wieder ab. In den besonders heißen Sommern der vergangenen Jahre war die Belastung spürbar:
- In Deutschland sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts allein im Sommer 2022 rund 4.500 Menschen an den Folgen extremer Hitze gestorben.
- Viele dieser Todesfälle betreffen ältere Menschen, chronisch Kranke oder Kinder.
- Bereits bei einer anhaltenden Temperatur über 25 Grad steigt die Sterblichkeit messbar an.
Hitze ist kein abstraktes Problem – sie kann direkt töten.
Schadstoffe werden durch Hitze noch gefährlicher
Hagen hat ein weiteres Problem: Die Stadt wurde wiederholt wegen überschrittener Luftgrenzwerte verurteilt. Stickoxide, Feinstaub und Ozon sind hier keine Randthemen, sondern alltägliche Belastungen.
Was viele nicht wissen: Hitze wirkt wie ein Katalysator.
Je wärmer es ist, desto mehr Ozon bildet sich aus Abgasen. Feinstaub und Stickoxide verteilen sich schlechter, wenn keine kühle Frischluft nachströmt. Das führt zu einer doppelten Belastung.
- Ozon reizt die Atemwege und kann Asthmaanfälle auslösen.
- Feinstaub dringt tief in die Lunge ein und erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
- Für Kinder bedeutet das: höhere Krankheitsraten, schlechtere Entwicklungschancen.
Die EU plant in den kommenden Jahren noch strengere Grenzwerte. Doch statt gegenzusteuern, würde die Bebauung des Dünningsbruchs diese Probleme weiter verschärfen.
Warum gerade der Dünningsbruch so wichtig ist
Der Dünningsbruch ist eine der letzten großen Grün- und Kaltluftflächen in Zentrumsnähe. Seine Bedeutung ist in offiziellen Klimagutachten der Stadt Hagen klar benannt:
Er gilt als hochsensibel, unverzichtbar für die Frischluftversorgung der Innenstadt.
Diese Fläche erfüllt gleich mehrere Funktionen:
- Sie kühlt die Innenstadt in der Nacht spürbar ab.
- Sie filtert Schadstoffe aus der Luft.
- Sie sorgt für Feuchtigkeit und Verdunstungskühlung.
Keine Ersatzpflanzung an anderer Stelle kann diese Wirkung jemals gleichwertig ersetzen. Wer diesen Raum versiegelt, nimmt Hagen einen Teil seiner Atemluft.
Wer die Folgen trägt
Die gesundheitlichen Belastungen werden vor allem Menschen treffen, die sich nicht schützen können:
- Kinder in Dachwohnungen, die in überhitzten Zimmern schlafen müssen.
- Ältere Menschen, deren Kreislauf den Temperaturanstieg nicht mehr kompensieren kann.
- Asthmakranke, für die Ozon und Feinstaub akute Gefahr bedeuten.
In den Hitzesommern der letzten Jahre hat jeder gesehen, wie schnell sich Wohnungen in der Stadt aufheizen. Wer jetzt so tut, als seien ein paar Grad mehr nur eine Unannehmlichkeit, ignoriert die Realität: Jede zusätzliche Tropennacht bedeutet mehr Krankheiten, mehr Krankenhausaufenthalte, mehr Todesfälle.
Ein Schulplatz ist wichtig – aber kein Freibrief
Es wird oft argumentiert, dass die Kinder irgendwo lernen müssen. Das stimmt. Doch Schulplätze kann man an verschiedenen Standorten schaffen. Eine Frischluftschneise wie den Dünningsbruch kann man nicht verlagern, nicht ausgleichen und nicht zurückholen, wenn sie einmal zerstört ist.
Deshalb geht es hier nicht um ein „Ja“ oder „Nein“ zu Bildung. Es geht um die Frage, ob man wirklich bereit ist, ein ökologisches Schutzsystem zu opfern, das für die Gesundheit unserer Stadt existenziell ist.
Hagen steht vor einer Richtungsentscheidung
Wenn der Dünningsbruch bebaut wird, ist das ein klares politisches Signal:
- Dass kurzfristiger Problemdruck wichtiger ist als langfristige Verantwortung.
- Dass Klimaschutz nur so lange gilt, wie er bequem ist.
- Dass die Gesundheit der Bevölkerung verhandelbar wird.
Ein Schulplatz kann anderswo entstehen. Gesundheit nicht.
Es ist Zeit, diese Wahrheit auszusprechen – und zu handeln, bevor ein Fehler gemacht wird, der nie wieder zu korrigieren ist.
Es ist Zeit, die Prioritäten klar zu benennen: Die Gesundheit von Menschen wiegt schwerer als der bequeme Griff nach dem erstbesten Baugrund.