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Alternativlos? Oder doch ein konkreter Vorschlag?

Der Vorschlag zur Bebauung des Dünningsbruch ist kein Ergebnis einer offenen Prüfung – sondern ein neuer Anlauf für ein altbekanntes Ziel.

Mit dem Antrag vom 26. Juni 2024 haben CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen beschlossen, den westlichen Teil des Areals „Im Dünningsbruch“ als Standort für eine neue, mindestens vierzügige Gesamtschule festzulegen. Der Antrag benennt den Standort eindeutig – mitsamt Aufgabenverteilung, Projektträger (HEG).

Die Wortwahl in den politischen Begründungen suggeriert dabei: Der Standort sei alternativlos. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Es hat nie eine echte systematische Alternativprüfung gegeben!

In der Ratsversammlung am 22.5. wurde das fehlen einer dokumentierten Prüfung bestätigt.


Kein Ergebnis – sondern ein neuer Vorschlag

Was als vermeintlich zwingende Lösung präsentiert wird, ist in Wahrheit ein konkreter Vorschlag aus der Politik. Dieser ist nicht aus einem systematischen Auswahlprozess hervorgegangen, sondern wurde als fertiger Plan in den Rat eingebracht. Weder wurden alternative Szenarien öffentlich verglichen, noch wurde ein ergebnisoffenes Verfahren initiiert.

Das Argument der „Alternativlosigkeit“ stützt sich allein auf den Umstand, dass es sich beim Dünningsbruch um ein im Besitz der Stadt befindliches Grundstück handelt – groß genug, unbebaut und formal verfügbar. Doch gerade diese enge Definition des Lösungsraums macht Alternativen von vornherein unmöglich.


Ein Ort mit Geschichte – und mit Widerspruch

Der Dünningsbruch ist nicht zum ersten Mal im Fokus. In den letzten Jahren wurde wiederholt versucht, das Gebiet zu bebauen – mit unterschiedlichsten Vorhaben: Wohnbebauung, Sportprojekte, Gewerbeansiedlungen. Nie wurde eines dieser Projekte umgesetzt, weil naturschutzfachliche, planerische oder strukturelle Gründe dagegensprachen.

Was sich nun ändert, ist nicht die Eignung des Geländes, sondern die Verpackung: Mit der Schulbedarfsplanung wird dem alten Wunsch nach Bebauung ein neues Etikett gegeben.


Was wäre möglich – wenn man wirklich wollte?

Würde man den Lösungsraum für den Standort einer Gesamtschule erweitern und wirklich suchen fände man recht schnell wirklich alternative Lösungen. Durch diese Fokussierung auf den Dünningsbruch verschließt man sich günstigeren und schneller verfügbaren Lösungen. Deshalb sollte man nach wirklichen Alternativen und dem besten Standort suchen und den Lösungsraum vergrößern, etwa auf:

  • versiegelte Flächen mit Umnutzungspotenzial,
  • leerstehende Bestandsgebäude mit Sanierungspotenzial,
  • temporäre oder modulare Lösungen mit Standortverlagerung bestehender Schulen –
    dann eröffnen sich neue Perspektiven.

Doch all diese Möglichkeiten wurden nicht öffentlich geprüft. Stattdessen wurde mit einem Vorschlag gearbeitet, der schon in seiner Formulierung wie eine fertige Entscheidung wirkt.


Fazit: Ein Vorschlag ist kein Ergebnis

Die Bebauung des Dünningsbruch ist kein Ergebnis eines offenen, faktenbasierten Auswahlprozesses, sondern ein politischer Vorschlag, der gezielt als alternativlos dargestellt wird.

Transparenz, Vergleichbarkeit und Dialog bleiben auf der Strecke. Wer echte Alternativen will, muss den Lösungsraum öffnen – nicht schließen.