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Die Stadt geht ALL-IN – doch wie gut ist das Blatt?

Am 22. Mai wurde im Rat der Stadt Hagen erneut deutlich: Die Verwaltung setzt beim Bau der neuen Gesamtschule voll auf den Standort Im Dünningsbruch – trotz bekannter topografischer, ökologischer und rechtlicher Herausforderungen. Doch wie tragfähig ist dieser Weg wirklich?


Das Gemeinwohl darf kein Lippenbekenntnis sein

Ratsmitglied Klepper (CDU Hagen) sagte in der Sitzung sinngemäß: Wenn ein Projekt vor der eigenen Haustür dem Gemeinwohl mehr dient als dem persönlichen Interesse, müsse man das akzeptieren. Ein berechtigter Standpunkt – aber nur, wenn das Gemeinwohl klar und nachvollziehbar dargelegt wird.

In diesem Fall steht der Nutzen des Schulneubaus außer Frage: Der Schulplatzbedarf in Hagen ist akut und dramatisch. Doch Gemeinwohl bedeutet auch, Natur zu schützen, Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen und Verfahren transparent zu gestalten. Diese Transparenz fehlt bislang.


Alternativen liegen auf dem Tisch – sie werden nur nicht genutzt

Es ist nicht so, dass keine Alternativen existieren. Im Gegenteil werden es immer mehr! Beispielsweise wurde im Sachantrag der Ratsgruppe DIE LINKE vom 22. Mai die Verwaltung ausdrücklich beauftragt, das Gelände des ehemaligen Westfaliamarkts in der Pettenkoferstraße als möglichen Schulstandort zu prüfen – ebenso wie das Gebäude der Verwaltungshochschule in Kückelhausen.

Diese Vorschläge liegen offiziell vor und sind sachlich begründet. Das Westfaliagelände war nicht Teil der Standortprüfungen der letzten zehn Jahre. Wer also behauptet, „alle Optionen seien geprüft“, muss sich fragen lassen, wie belastbar und aktuell diese Prüfungen tatsächlich sind.

Beispielsweise ist es kaum verständlich, warum versiegelte, vollständig erschlossene Flächen wie das Westfaliagelände mit rund 10.000 m² (vier- bis mehrgeschossige Bebauung) nicht als ernsthafte Alternative zu 20.000 m² zweigeschossig auf unerschlossenem Grünland – in Hanglage, mit negativer Bauprüfung in der Vergangenheit und direkt angrenzend an geschützte Landschaftsbestandteile – gelten.


Kein Plan B – aber maximale Risiken

Ein Projekt wie das am Dünningsbruch wird die realen Bedarfsspitzen in den nächsten sechs Jahren nicht auffangen können – genau dann, wenn der Druck am größten ist. In der Bürgerfragestunde wurden die erheblichen Schwierigkeiten und Risiken des Standorts noch mal klar deutlich – von der Hanglage über den ökologischen Konflikt bis hin zu Erschließung und Altlasten. Diese Punkte wurden von der Verwaltung nicht entkräftet, sondern auf das spätere Verfahren vertagt.

Im Anschluss stellte ein Ratsmitglied die berechtigte Frage an die Verwaltung, was der Plan B sei, falls sich das Grundstück im weiteren Verfahren als nicht umsetzbar herausstellt. Die Antwort war eindeutig:
Es gibt keinen Plan B.

Damit setzt die Stadt alles auf eine Karte – eine Karte, die von Beginn an mit enormem Risiko behaftet ist.
Wer so handelt, riskiert nicht nur das Scheitern des Projekts, sondern verspielt auch wertvolle Zeit – in einem Moment, in dem jedes Jahr zählt.


Was jetzt zählt: Ehrlichkeit, Alternativen und Zusammenarbeit

Niemand verlangt Perfektion – aber viele fordern Ehrlichkeit, Offenheit und nachvollziehbare Entscheidungen. Nur so lässt sich Vertrauen erhalten.
Die Stadt darf bei einem so wichtigen Thema nicht auf ein fragwürdiges Verfahren setzen – ohne nachvollziehbare Prüfung und Kommunikation.

Mit Transparenz, Sachlichkeit und dem Blick aufs große Ganze können tragfähige Lösungen entstehen – für die Kinder, die Natur und das Vertrauen in unsere Stadtgesellschaft.

Und eines darf dabei nicht passieren: Dass wir wertvolle Zeit verstreichen lassen. Denn was jetzt gebraucht wird, sind schnelle, stabile und sichere Lösungen. Die Ausgangslage im Dünningsbruch zeigt jedoch unmissverständlich: Schnell, sicher und stabil – das ist dieser Standort nicht.
Deshalb ist es aus Sicht vieler Menschen unverantwortlich, gerade jetzt ALL-IN zu gehen – und zwar ausgerechnet mit einer hoch instabilen Karte.

Da es um dringend benötigte Schulplätze geht, dann gilt: Es muss jetzt alles getan werden, um den Bedarf zuverlässig zu bedienen. Und dafür braucht es eine Alternativenprüfung – schnell, transparent und sofort.