Brunnen allein kühlen keine Stadt – Initiative Lebensraum Dünningsbruch lädt am 3. September um 18 Uhr zum Rundgang ein
Hagen, 24. August 2026. Der Sommer 2026 führt erneut vor Augen, wie wichtig das Thema Hitze für unsere Städte geworden ist. Nach Angaben des europäischen Klimadienstes Copernicus erlebte Westeuropa in diesem Jahr den heißesten Juni-Juli-Zeitraum seit Beginn der entsprechenden Auswertungen. Auch Deutschland gehörte im Juli zu den Regionen mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen.
Die Frage lautet deshalb längst nicht mehr nur: Wie schützen wir Menschen während einer Hitzewelle? Ebenso wichtig ist die Frage: Wie verhindern wir, dass sich unsere Städte und Wohnquartiere immer stärker aufheizen?
Trinkwasserbrunnen, Schattenplätze, Bäume und kühle Aufenthaltsräume sind wichtige Bausteine. Die Stadt Hagen setzt im Rahmen ihres Hitzeschutzes bereits auf solche Maßnahmen – unter anderem auf einen Trinkwasserbrunnen, Schattenbäume, einen Stadtplan für heiße Tage und eine Kühloase.
Doch nachhaltiger Hitzeschutz beginnt früher.
Er beginnt bei der Stadtplanung.
Die natürliche Klimaanlage einer Stadt
Unbebaute Grün- und Freiflächen können sich insbesondere nachts deutlich stärker abkühlen als dicht bebaute und versiegelte Bereiche. Dort entsteht Kaltluft. Entscheidend ist anschließend, ob diese kühlere Luft über geeignete Luftaustausch- und Kaltluftbahnen auch in wärmere Siedlungsgebiete gelangen kann.
Das Umweltbundesamt weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass für die Klimaanpassung von Städten wichtige Kaltluftbahnen von neuer Bebauung freigehalten werden sollten. Hohe Bebauungsdichte, starke Versiegelung und eine eingeschränkte Luftzirkulation können dagegen den städtischen Wärmeinseleffekt verstärken.
Auch die Stadt Hagen berücksichtigt genau diese Zusammenhänge in ihrer eigenen Klimaanalyse. Dort werden unter anderem nächtliche Lufttemperaturen, Kaltluftproduktion, Kaltluftabflüsse und Luftaustausch untersucht. Die daraus abgeleitete Planungshinweiskarte soll zeigen, welche Flächen wichtige klimaökologische Funktionen übernehmen und deshalb besonders berücksichtigt beziehungsweise erhalten werden sollten.
Damit bekommt die Diskussion über den Dünningsbruch eine zusätzliche Dimension.
Was passiert, wenn sich der Dünningsbruch verändert?
Der Dünningsbruch ist heute eine weitgehend unbebaute Grün- und Freifläche unmittelbar angrenzend an bebaute Stadtbereiche.
Im Zusammenhang mit dem geplanten Schulstandort wird über eine erhebliche bauliche Veränderung eines Teils dieser Fläche diskutiert. Die von der Stadt untersuchte Schulvariante umfasst mehrgeschossige Baukörper; für das betrachtete Schulareal werden rund 30.000 Quadratmeter angegeben.
Aus Sicht der Initiative Lebensraum Dünningsbruch muss deshalb eine zentrale Frage beantwortet werden:
Welche Auswirkungen hätten Bebauung, Versiegelung und die Anordnung größerer Baukörper auf die Kaltluftproduktion und den Luftaustausch in diesem Bereich?
Dabei geht es nicht darum, pauschal zu behaupten, dass ein einzelnes Gebäude die Frischluftversorgung der Stadt stoppt. Entscheidend ist vielmehr, die Auswirkungen auf das gesamte lokale Klimasystem zu untersuchen – bevor Fakten geschaffen werden.
„Wir reden beim Hitzeschutz häufig über Trinkwasserbrunnen, Schatten und gekühlte Räume. Das alles ist richtig und wichtig. Aber die beste Kühlung ist die, die eine Stadt gar nicht erst technisch erzeugen muss. Wenn Grünflächen nachts Kaltluft produzieren und diese Luft in bebaute Quartiere gelangen kann, arbeitet die Natur kostenlos für uns. Deshalb müssen wir sehr genau wissen, was passiert, bevor wir solche Flächen dauerhaft verändern.“
Klimaanpassung wird zur Aufgabe der Stadtplanung
Die Diskussion beschränkt sich längst nicht auf Hagen. Städte in ganz Deutschland beschäftigen sich zunehmend mit der Frage, wie sie sich gegen steigende Temperaturen wappnen können.
Berlin hat 2026 beispielsweise einen verbindlichen gesetzlichen Rahmen zur Klimaanpassung geschaffen, um Bevölkerung, Infrastruktur, Wirtschaft und Stadtnatur besser vor Hitze und anderen Klimafolgen zu schützen.
Auch für Hagen stellt sich deshalb die grundsätzliche Frage:
Welche Flächen brauchen wir in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren, damit unsere Stadt trotz steigender Temperaturen lebenswert bleibt?
Eine einmal bebaute und versiegelte Fläche lässt sich später nur schwer wieder in ein funktionierendes Kaltluftentstehungsgebiet zurückverwandeln.
Genau deshalb möchte die Initiative Lebensraum Dünningsbruch die Diskussion direkt vor Ort führen.
Rundgang am 3. September: Den Dünningsbruch selbst erleben
Wie groß ist der Dünningsbruch eigentlich?
Wo liegt die Fläche genau?
Wo soll gebaut werden?
Wo befinden sich Grünflächen, Hanglagen und mögliche Wege der Kaltluft?
Und vor allem:
Welche Bedeutung könnte dieses Gebiet für den zukünftigen Hitzeschutz in Hagen haben?
Diese Fragen lassen sich auf einer Karte diskutieren. Noch verständlicher werden sie aber, wenn man selbst vor Ort steht.
Die Initiative Lebensraum Dünningsbruch lädt deshalb interessierte Bürgerinnen und Bürger zu einem gemeinsamen Rundgang ein.
Termin: Donnerstag, 3. September 2026
Beginn: 18:00 Uhr
Treffpunkt: Parkplatz der Fachhochschule am Dünningsbruch
Thema: „Hitzeschutz in Hagen – welche Rolle spielt der Dünningsbruch?“
Vor Ort soll nachvollziehbar gezeigt werden, welche Dimension das Gebiet hat, wie es mit den angrenzenden Stadtteilen verbunden ist und weshalb Fragen der Kaltluftentstehung und des Luftaustauschs bei der weiteren Planung eine wichtige Rolle spielen.
„Man muss den Dünningsbruch gesehen haben, um seine Dimension und seine Lage wirklich zu verstehen. Deshalb möchten wir die Diskussion aus Sitzungsräumen und Planunterlagen heraus direkt an den Ort bringen, über den entschieden wird.“
Die Einladung richtet sich ausdrücklich an alle Interessierten – unabhängig davon, welche Position sie zur weiteren Entwicklung des Dünningsbruchs vertreten.
Denn Hitzeschutz ist keine Frage für den nächsten heißen Sommertag. Er ist eine Frage dafür, wie wir Hagen heute für die kommenden Jahrzehnte planen.