Was als zukunftsweisendes Schulprojekt kommuniziert wurde, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein umfassender städtebaulicher Eingriff mit weitreichenden Folgen für Natur, Klima und Transparenz in der kommunalen Planung.
Die Stadt Hagen hat im Sommer 2024 die Einleitung des Bebauungsplans Nr. 4/24 (719) „Gesamtschule Dünningsbruch“ beschlossen. Offiziell steht dabei der dringende Bedarf nach Schulraum im Fokus – konkret die Errichtung einer fünf- bis sechs-zügigen Gesamtschule mit Dreifachturnhalle. Doch schon die Vorlage selbst offenbart in einem entscheidenden Absatz die eigentliche Tragweite: Es sei ein „Gesamtkonzept“ für das Gebiet Dünningsbruch angedacht, das über die Schulnutzung hinaus auch eine „wohnbauliche Entwicklung im östlichen Bereich“ vorsieht.
Aus „Grünland & Wald“ wird Bauland
Der neue Flächennutzungsplan macht nun sichtbar, was politisch bislang nur indirekt angedeutet wurde: Eine massive Umwidmung des bisherigen Grün- und Waldgebiets zu Bauland. Wo zuvor noch Wiesen, Gehölze und Waldflächen das Landschaftsbild prägten, ist im Planungsdokument nun durchgängig von „Wohnbauland“ die Rede. Die Visualisierung der Flächennutzungspläne zeigt eindrücklich: Was gestern noch als schützenswerter Naturraum galt, wird heute als zukünftiges Wohngebiet ausgewiesen.
Diese Entwicklung steht im deutlichen Widerspruch zu öffentlichen Aussagen, wonach es sich um ein „Projekt mit minimalem Eingriff in die Natur“ handeln soll. Faktisch ist von einer rund 6 Hektar großen Flächenversiegelung auszugehen – in einem ökologisch sensiblen Raum mit angrenzendem Landschaftsschutzgebiet.

Politisch gewollt, aber nicht ehrlich kommuniziert
Die entscheidenden politischen Mehrheiten – insbesondere von CDU, SPD und Grünen – haben dem Bebauungsplan zugestimmt und diesen sogar selbst beantragt. Dabei betonen führende OB-Kandidaten wie Herr Fritzsche und Herr Köhler öffentlich immer wieder die Dringlichkeit des Schulstandorts und dessen Alternativlosigkeit. Die damit verknüpfte Wohnbebauung bleibt hingegen weitgehend unerwähnt – obwohl sie integraler Bestandteil des städtebaulichen Konzepts ist.
Diese selektive Kommunikation führt in der Öffentlichkeit zu einem verzerrten Bild: Wer gegen die Bebauung im Dünningsbruch ist, erscheint als Schulgegner. Dabei ist es keineswegs die Schule, die den größten Flächenverbrauch verursacht, sondern die geplante Wohnbebauung im Gesamtareal – eine städtebauliche Ausweitung, die in keinem Verhältnis zur eigentlichen Problemlage steht.
Wenn Wohnungsbau zur Begründung wird – auf dem Rücken der Kinder?
Wenn der Bedarf an Schulraum wirklich so dramatisch ist, wie es im Rat dargestellt wurde – wenn tatsächlich „hunderte Kinder“ derzeit nicht beschult werden können – dann ist es politisch höchst fragwürdig, diese Notlage als Vehikel für ein städtebauliches Großprojekt zu nutzen. Der Zusammenhang zwischen Gesamtschulbau und Wohnungsbau ist nicht pädagogisch oder infrastrukturell begründet, sondern planungsstrategisch motiviert.
Diese Taktik führt zu einer Vorfestlegung der politischen Entscheidungsfindung: Nicht, weil der Standort pädagogisch optimal wäre – sondern weil er städtebaulich maximal verwertbar ist.
Jetzt ist Klarheit gefragt – keine Politik durch die Hintertür!
Wer sich ernsthaft für Bildungsgerechtigkeit, Klimaschutz und transparente Stadtentwicklung einsetzt, darf nicht schweigen, wenn aus einem angeblich „alternativlosen Schulprojekt“ klammheimlich ein Wohnquartier in sensibler Grünlage entsteht. Der neue Flächennutzungsplan lässt keinen Zweifel mehr zu: Hier geht es nicht nur um Kinder – hier geht es um politische Interessen, Grundstückswerte und langfristige Bebauungspotenziale.
Die Menschen in Hagen verdienen Ehrlichkeit statt Tricksereien, Mitsprache statt vollendeter Tatsachen. Es ist Zeit, dass sich Bürgerinnen und Bürger, Initiativen und kritische Ratsmitglieder gemeinsam gegen diese klammheimliche Entwertung unserer Natur stemmen.
Dünningsbruch ist kein Bauland. Dünningsbruch ist Lebensraum – und den geben wir nicht kampflos her.
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Quelle: https://allris.hagen.de/public/
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