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Dünningsbruch: Warum „alternativlos“ nicht mehr haltbar ist

Die Diskussion um den Bebauungsplan Nr. 4/24 (719) zur geplanten Gesamtschule im Dünningsbruch erreicht eine neue Stufe.
Was lange als feststehende Entscheidung kommuniziert wurde, gerät zunehmend ins Wanken – nicht durch Emotionen, sondern durch Fakten.

Ein Verfahren unter Druck

Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit zeigt ein deutliches Bild:
Allein im Online-Tool wurden über 70 Stellungnahmen abgegeben. Hinzu kommen mehr als 150 Bürgerinnen und Bürger, die an der Informationsveranstaltung im Hagener Rathaus teilgenommen haben.

Das ist keine übliche Beteiligung.
Das ist ein klares Signal.

Denn trotz dieser breiten Rückmeldung bleibt der zentrale Eindruck bestehen:
Viele Fragen sind weiterhin unbeantwortet. Wichtige Themen wie Kosten, Verkehr, Wasserhaushalt oder konkrete Auswirkungen auf Mensch und Umwelt wurden nicht abschließend geklärt.

Was als Dialog angelegt war, entwickelt sich zunehmend zu einem Konflikt.

Die offizielle Linie: „Alternativlos“

In der Begründung zum Bebauungsplan wird deutlich formuliert, dass es aktuell keine geeigneten Alternativstandorte gebe. Die Standortentscheidung sei getroffen, das Verfahren konzentriere sich auf die Realisierbarkeit genau dieses Standortes.

Diese Argumentation folgt einer klaren Logik:
Ist eine Entscheidung einmal politisch gefallen, wird sie im weiteren Verfahren nicht mehr grundsätzlich hinterfragt, sondern lediglich konkretisiert.

Doch genau diese Logik gerät jetzt ins Wanken.

Neue Entwicklungen – neue Realität

Während im Dünningsbruch weiterhin an der Alternativlosigkeit festgehalten wird, verändert sich die Situation in Hagen sichtbar:

1. Verlagerung der Cuno-Berufskollegs

Die beiden Cuno-Berufskollegs I und II müssen aufgrund erheblicher baulicher Mängel langfristig an einen neuen Standort verlegt werden.
Die Stadt hat hierzu mehrere Standorte geprüft, bewertet und miteinander verglichen.

Das Ergebnis:
Das Gelände am Ischeland wird als bevorzugter Standort empfohlen.

Damit wird deutlich:
Standortentscheidungen sind in Hagen keineswegs statisch.
Sie werden überprüft, angepasst und neu bewertet – wenn es erforderlich ist.

2. Perspektive eines Bildungscampus

Parallel dazu wird rund um die FernUniversität und die Fachhochschule Südwestfalen ein neuer Bildungs- und Innovationscampus diskutiert.

Die Idee:
Eine räumliche Bündelung von schulischer, beruflicher und akademischer Bildung.
Mit neuen Gebäuden, neuen Nutzungskonzepten und einer strategischen Weiterentwicklung des Bildungsstandortes Hagen.

Im Zuge dieser Überlegungen stehen auch Flächenverlagerungen im Raum – insbesondere im Zusammenhang mit der Fachhochschule.

3. Neue Flächenpotenziale entstehen

Diese Entwicklungen haben eine direkte Folge:
Es entstehen neue Flächenperspektiven.

Durch Verlagerungen, Neubauten und Umstrukturierungen werden bestehende Standorte frei oder zumindest neu disponierbar.
Flächen, die bislang nicht im Fokus standen, gewinnen plötzlich an Bedeutung.

Und genau hier liegt der entscheidende Punkt.

Der Widerspruch wird sichtbar

Die zentrale Frage lautet:

Wie kann ein Standort als „alternativlos“ bezeichnet werden,
wenn sich gleichzeitig die Rahmenbedingungen nachweislich verändern?

Wenn neue Flächen entstehen,
wenn bestehende Standorte neu gedacht werden,
wenn parallele Projekte zeigen, dass Alternativen geprüft werden –

dann ist die Grundlage der ursprünglichen Bewertung nicht mehr dieselbe.

Oder anders gesagt:
Die Realität hat sich weiterentwickelt. Die Entscheidung offenbar nicht.

Planung bedeutet Abwägung – nicht Festhalten

Stadtentwicklung ist kein statischer Prozess.
Sie lebt von der Abwägung unterschiedlicher Interessen, von neuen Erkenntnissen und von sich verändernden Rahmenbedingungen.

Ein Grundprinzip moderner Planung lautet:
Innenentwicklung vor Außenentwicklung.

Das bedeutet:
Bevor neue Flächen in Anspruch genommen werden – insbesondere im sensiblen Natur- und Landschaftsraum – müssen vorhandene Potenziale konsequent geprüft werden.

Gerade in einer Stadt wie Hagen, die mit strukturellen Herausforderungen, Flächenknappheit und finanziellen Belastungen konfrontiert ist, ist dieser Grundsatz kein optionaler Ansatz, sondern eine Notwendigkeit.

Dünningsbruch: Ein Projekt mit Konfliktpotenzial

Der Konflikt rund um den Dünningsbruch ist kein Zufall.
Er ist das Ergebnis einer Planung, die von vielen als einseitig wahrgenommen wird.

  • fehlende Transparenz bei der Alternativenprüfung
  • offene Fragen zu zentralen Risiken
  • eine Argumentation, die nicht mehr zur aktuellen Entwicklung passt

All das führt dazu, dass Vertrauen verloren geht.

Und Vertrauen ist die wichtigste Grundlage für jedes größere Infrastrukturprojekt.

Was jetzt passieren muss

Die Situation ist klar:

Die Rahmenbedingungen haben sich verändert.
Neue Standorte werden geprüft.
Neue Flächen entstehen.
Neue Konzepte werden entwickelt.

Deshalb braucht es jetzt einen konsequenten Schritt:

Eine ergebnisoffene Neubewertung aller verfügbaren Flächen.

Nicht als politisches Zugeständnis,
sondern als sachlich notwendige Konsequenz.

Das bedeutet konkret:

  • Einbeziehung aller neu entstandenen und potenziell frei werdenden Flächen
  • Transparente Darstellung der Bewertungsmaßstäbe
  • Vergleichbarkeit der Standorte
  • offene Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit

Fazit: „Alternativlos“ ist keine Kategorie – sondern eine Entscheidung

Der Begriff „alternativlos“ suggeriert Zwang.
Tatsächlich beschreibt er jedoch meist eine politische Festlegung.

Im Fall des Dünningsbruchs wird zunehmend deutlich:
Diese Festlegung hält der aktuellen Entwicklung nicht mehr stand.

Die Stadt Hagen steht an einem Punkt, an dem sie entscheiden muss:

Will sie an einer einmal getroffenen Entscheidung festhalten –
oder ist sie bereit, neue Erkenntnisse ernst zu nehmen und daraus Konsequenzen zu ziehen?

Die Antwort darauf wird nicht nur über den Dünningsbruch entscheiden.
Sondern darüber, wie glaubwürdig und zukunftsfähig Stadtentwicklung in Hagen künftig gestaltet wird.


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