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Parkkonzept: Klimaschutz, Artenvielfalt und Erholung – richtig gedacht, klug gemacht

Mit dem vom NABU Stadtverband Hagen erarbeiteten Parkkonzept für den Dünningsbruch liegt ein Plan vor, der groß denkt und sensibel umsetzt: Er verbindet wirksamen Klimaschutz mit dem Schutz gefährdeter Arten – allen voran der Haselmaus – und schafft zugleich einen großzügigen, naturnahen Erholungsraum für die Menschen in unserer Stadt. Nach Angaben des NABU ist die Förderung für die Umsetzung gesichert.

Warum der Dünningsbruch unverzichtbar ist

Der Dünningsbruch ist die letzte große, zusammenhängende Naturfläche in der Hagener Innenstadt – eine „grüne Insel“, die Temperaturspitzen abpuffert, Kaltluft speichert und Frischluft in die dicht bebauten Bereiche leitet. Genau hier setzt das Konzept an: Es hält die Fläche als Parklandschaft offen, verbessert die Wasser- und Klimafunktion und bindet Besucherinnen und Besucher behutsam ein, ohne die ökologischen Qualitäten zu überformen. In den vorliegenden Unterlagen ist der Dünningsbruch unmissverständlich als „Die letzte grüne Insel in Hagen“ bezeichnet – ein Auftrag, diese Einzigartigkeit zu bewahren.

Das Konzept in Kürze – natürlich, leise, erlebbar

Die Planungsgrundlage wurde von NABU Stadtverband Hagen initiiert und von Dipl.-Ing. Ralf Bullerjahn (BDLA) ausgearbeitet. Sie setzt auf „natürliche Eingriffe zur Erlebbarkeit des Areals“ und sieht eine große, zusammenhängende Parklandschaft vor, die ökologische Funktionen stärkt und Besucherströme behutsam lenkt. Vorgesehen sind unter anderem: Feuchtwiesen, Streuobstwiesen und extensive Wiesenflächen, Altbaumbestand mit Pioniergehölzen, ein Baumlehrpfad, Besucherinformation, Infotafeln, Rastplätze, ein feinmaschiges Wegesystem (Rundwege, Waldwege/Trampelpfade), punktuell ein Spielplatz sowie gezielte Hecken- und Vogelnährgehölze (z. B. Weißdorn).

„Schonende Parkgestaltung“ – was das konkret bedeutet

„Schonend“ heißt: möglichst wenig versiegeln, die Naturprozesse erhalten und nur dort gestalten, wo es ökologisch sinnvoll und sozial erwünscht ist. Für den Dünningsbruch bedeutet das:

  • Wegesysteme mit leichter Bautiefe: überwiegend wassergebundene Decken statt Asphalt; barrierearme Hauptschleifen, ergänzt durch naturnahe Trampelpfade abseits sensibler Bereiche.
  • Ruhige Aufenthaltsinseln: kleine Rasenerhebungen, Bänke, Rastplätze – so platziert, dass Brut- und Rückzugsräume ungestört bleiben.
  • Wasser als Taktgeber: Feuchtwiesen bleiben Feuchtwiesen – mit saisonal angepasster Mahd (Mosaik- und Staffelmahd), um Insekten, Amphibien und Wiesenvögel zu fördern.
  • Naturnahe Gehölzpflege: Altbäume erhalten, Totholz dort belassen, wo es sicher ist, Unterwuchs fördern, Hecken strukturreich aufbauen (mehrschichtige Saum-, Strauch- und Jungbaumschicht).
  • Licht und Lärm reduzieren: weiche, niedrige Beleuchtung nur an sicherheitsrelevanten Punkten, keine Lichtachsen durch Biotope; lärmberuhigte Erholungszonen.
  • Besucherlenkung statt Verbote: klare Leitsprache durch Infotafeln und Wegemarkierung, temporäre Ruhezonen in der Brut- und Setzzeit, Hundeleinengebote in Kernhabitaten.
Parkkonzept Dünningsbruch

Quelle: NABU Stadtverband Hagen

Fokus Artenschutz: Die Haselmaus im Dünningsbruch

Die Haselmaus (Muscardinus avellanarius) ist eine Leitart für artenreiche Hecken- und Waldrandlandschaften. Sie braucht ein durchgängiges Netzwerk aus Sträuchern, Jungbäumen und rankenden Pflanzen – möglichst ohne „Lücken“ im Dickicht. Für sie und andere störungssensible Arten sieht das Parkkonzept folgende Schwerpunkte vor:

  1. Heckenverbund und Deckungsräume
    Weißdorn-, Schlehen- und Haselstrukturen werden gezielt vernetzt, Lücken mit heimischen, fruchttragenden Gehölzen geschlossen. So entstehen geschützte Wechselkorridore zwischen Nahrung, Nistplätzen und Winterquartieren. (Die Anlage artenreicher Hecken und Vogelnährgehölze ist planerisch vorgesehen.) Biolog Station Dünningsbruch-DI…
  2. Mehrschichtige Waldränder
    Statt harter Kanten: Übergänge mit Saumstauden, Strauchgürteln, Jungbäumen. Das erhöht die Insekten- und Beerenverfügbarkeit und bietet Nist- und Versteckmöglichkeiten – essenziell für die Haselmaus und Singvögel.
  3. Pflege nach Naturkalender
    Schnitt- und Mahdtermine werden an Brut-, Setz- und Aktivitätsphasen angepasst; Heckenpflege in mehrjährigen Zyklen (Rotationspflege), um Blüte- und Fruchtträger zu sichern und immer Deckung anzubieten.
  4. Nisthilfen als Brücke
    Übergangsweise helfen geeignete „Kobelkästen“ (Haselmaus-Nisthilfen) in strukturarmen Abschnitten; mittelfristig soll die Vegetationsstruktur die Funktion übernehmen.
  5. Lichtarme Korridore
    Beleuchtung wird von Hecken- und Waldrandkorridoren ferngehalten; Querungen ohne Blendwirkung ermöglichen nächtliche Aktivität.
  6. Rückzugszonen
    Kernhabitate bleiben tabufrei von Spiel- und Sportnutzungen; Wege werden so geführt, dass Besucher die Natur erleben, ohne in sensible Bereiche einzudringen.

Die gute Nachricht: Viele dieser Maßnahmen sind bereits im Konzept angelegt – insbesondere Hecken- und Wiesenentwicklung, naturnahe Gehölzpflege, Besucherinformation und differenzierte Wegeführung.

Vögel als Gradmesser gesunder Natur

Das Gebiet ist für den Vogelschutz von besonderer Bedeutung. Unterschiedliche Biotope – Wiesen, Hecken, Feuchtbereiche und Waldränder – bieten Lebensraum für:

  • Singvögel wie Neuntöter, Goldammer oder Gartengrasmücke, die in strukturreichen Hecken Nahrung und Nistplätze finden.
  • Spechte und Höhlenbrüter, die den alten Baumbestand mit seinen Höhlungen nutzen.
  • Zugvögel, die in extensiven Wiesen Rast und Nahrung finden.

Der Park kann so zum Trittstein im Netzwerk der europäischen Vogelschutzgebiete werden – und damit einen wichtigen Beitrag für den Erhalt wandernder Arten leisten.

Mehrwert für viele Arten – vom Amphib bis zum Altbaumkäfer

  • Feuchtwiesen und offene Mulden halten Wasser in der Fläche, schaffen Laichhabitate und Nahrungsreviere für Amphibien und Libellen – und wirken zugleich als natürliche Schwammräume bei Starkregen.
  • Streuobstwiesen fördern bestäubende Insekten und traditionelle Sortenvielfalt; extensiv gepflegte Wiesen liefern Pollen und Nektar vom Frühjahr bis in den Herbst.
  • Altbaumbestand und Totholz bieten Höhlen, Rindenstrukturen und Mikrohabitate für Spechte, Fledermäuse, Käfer und Pilze.
  • Baumlehrpfad und Infotafeln übersetzen die Biodiversität in Wissen – niedrigschwellig, anschaulich, für Schulen und Familien.

Klimawirkung mit System

Der Park setzt die Leitlinien des Integrierten Klimakonzepts der Stadt Hagen konsequent in der Fläche um:

  • Hitzeschutz durch Verschattung, Verdunstung und nächtliche Kaltluftentstehung.
  • Wasserrückhalt durch unversiegelte Böden, Wiesenpflege und Feuchträume.
  • Kohlenstoffbindung über stabile Gehölz- und Wiesenstrukturen.
  • Wege statt Straßen: Mobilität im Park fußt auf Füßen und Rädern – emissionsfrei, leise, gesund.

Besuchserlebnis – nah dran, ohne zu stören

Damit Erholung und Artenschutz zusammenspielen, wird die Fläche behutsam zoniert:

  • Erlebniszonen an den Rändern mit Spielplatz, Sitz- und Picknickgelegenheiten, Besucherinformation und Einstieg in Rundwege.
  • Pufferzonen mit naturpädagogischen Angeboten (Baumlehrpfad, Infotafeln) und gut markierten Wegen.
  • Ruhezonen/Kernhabitate ohne Spiel- und Sportnutzung, mit saisonalen Betretungshinweisen und Lenkung.

So wird der Dünningsbruch erlebbar – ohne seine ökologische Substanz zu verlieren.

Umsetzung, Pflege, Finanzierung

Laut NABU Stadtverband Hagen ist die Finanzierung der Umsetzung gesichert. Der Park lässt sich in Etappen realisieren: zunächst Wege und Beschilderung, parallel Hecken- und Wiesenentwicklung, anschließend Aufenthaltsinseln und Lehrpfad-Stationen. Ein Pflegeplan mit klaren Zeitfenstern (Mahdregime, Heckenrotation, Altbaumerhalt) und Monitoring (u. a. Haselmaus, Brutvögel, Tagfalter) sichert die Qualität über Jahre.

Fazit: Ein Leuchtturm für Hagen

Der Dünningsbruch-Park zeigt, wie Klimaanpassung, Artenschutz und Lebensqualität zusammenfinden – pragmatisch, finanzierbar, zukunftsfest. Er schützt die letzte grüne Insel im Herzen der Stadt, stärkt das gesunde Stadtklima und gibt einer gefährdeten Art wie der Haselmaus den Lebensraum, den sie braucht. Und er öffnet genau diese Natur – maßvoll und respektvoll – für alle, die sie erleben und verstehen möchten. Biolog Station Dünningsbruch-DI…


Hinweis zur Quelle: Die oben beschriebenen Gestaltungsbausteine (u. a. Feuchtwiese, Streuobstwiese, extensive Wiesen, Altbaumbestand, Pioniergehölze, Baumlehrpfad, Wegesystem, Infotafeln, Weißdornhecken/Vogelnährgehölze, Spielplatz) sowie die Einordnung des Dünningsbruchs als „letzte grüne Insel in Hagen“ stammen aus der Ideen-/Konzeptplanung der Biologischen Station Umweltzentrum Hagen (Planstand 19.04.2024; Entwurf: Dipl.-Ing. Ralf Bullerjahn).


Klimakonzept wird Realität im Dünningsbruch

Mit der geplanten Parklandschaft wird das Integrierte Klimaschutzkonzept der Stadt Hagen konsequent in die Praxis umgesetzt. Der Dünningsbruch übernimmt dabei zentrale Funktionen: Er verstärkt die Wirkung der natürliche Frischluftschneise in die Innenstadt, kühlt aufgeheizte Stadtquartiere, speichert Regenwasser und schafft durch seine vielfältigen Grün- und Wasserflächen wichtige Puffer gegen die Folgen des Klimawandels. Damit verbindet das Projekt städtische Klimaziele mit einem sicht- und spürbaren Mehrwert für Natur und Menschen – direkt vor der Haustür der Hagenerinnen und Hagener.

Auszug aus der Planungshinweiskarte. Die Planungshinweiskarte der Stadt Hagen ergänzt die Klimaanalysekarte und zeigt auf gesamtstädtischer Ebene, wie klimaökologische Aspekte in die Stadtplanung integriert werden können. Sie umfasst vier Ebenen – Ausgleichs- und Lasträume, raumspezifische und lokale Hinweise sowie Luftaustauschverhältnisse – und liefert damit konkrete Empfehlungen zum Erhalt, zur Vernetzung und zur Steuerung klimarelevanter Flächen.

Hitzeplan Stadt Hagen Duenningsbruch
Hitzeplan Stadt Hagen Duenningsbruch

https://www.hagen.de/dateien/aus-dem-rathaus/fachbereiche-und-aemter/f-a-z/umweltamt-2/hitzeschutz/aplanungshinweise-hagen.pdf

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