Das jetzt veröffentlichte Umweltgutachten zum neuen Flächennutzungsplan der Stadt Hagen zeigt deutlich:
Die geplante Bebauung im Bereich Dünningsbruch würde zu massiven und irreversiblen Eingriffen in Natur, Landschaft und Boden führen.
Laut der überschlägigen Eingriffs-Ausgleichs-Bilanzierung entsteht durch die geplante Versiegelung ein ökologisches Defizit von über 350.000 Ökopunkten.
Um diesen Verlust auszugleichen, wären rund 8,8 Hektar hochwertige Ausgleichsflächen erforderlich – mehr als die Fläche des geplanten Baugebiets selbst.
Diese Zahlen stehen für sich:
👉 Ein derart hoher Kompensationsbedarf gilt in der Fachwelt als außergewöhnlich und deutet auf einen ökologisch maximalen Eingriff hin.
🌱 Besonders betroffen: wertvolle Böden und gewachsene Landschaftsstrukturen
Die Fläche besteht überwiegend aus Grünland, Obstwiesen und alten Gehölzstrukturen, die in Jahrzehnten gewachsen sind und eine hohe Bedeutung für den Naturhaushalt haben.
Im Bodenatlas NRW wird der Standort als Parabraunerde mit hoher Bodenfruchtbarkeit und Filterfunktion ausgewiesen – ein Bodentyp, der in dieser Qualität besonders schützenswert ist.
Mit der geplanten Bebauung würden diese Böden vollständig zerstört.
Der Gutachter spricht explizit von der „Inanspruchnahme weitgehend ungestörter und schutzwürdiger Böden“ – ein klarer Hinweis auf den hohen Verlust an ökologischer Leistungsfähigkeit.
🦉 Konsequenzen für Natur, Wasser und Klima
Das Umweltgutachten beschreibt deutliche negative Folgen:
- Verlust wichtiger Lebensräume für Feldvögel, Insekten und Kleinsäuger,
- Verringerte Grundwasserneubildung durch Versiegelung,
- Beeinträchtigung der Kaltluftentstehung im Nahbereich,
- Zerstörung von Freiflächen mit Erholungsfunktion für Anwohnerinnen und Anwohner.
Zudem liegt die Fläche im regional bedeutsamen archäologischen Bereich „Mittlere Ruhr“ – auch dieser Aspekt ist bei jeder weiteren Planung zwingend zu berücksichtigen.
🐞 Artenschutz: Lebensraum für geschützte Arten
Das Umweltgutachten weist den Dünningsbruch nicht nur als ökologisch wertvolle Grünfläche aus, sondern auch als Lebensraum für besonders und streng geschützte Tierarten.
Laut artenschutzrechtlicher Bewertung wurden in der Fläche und ihrem unmittelbaren Umfeld mehrere nach Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) geschützte Arten festgestellt bzw. als potenziell vorkommend bewertet.
Dazu zählen:
- Vögel des Offen- und Halboffenlandes (z. B. Goldammer, Feldlerche, Neuntöter, Gartenrotschwanz),
- Fledermausarten, die den Gehölzbestand und die alten Obstwiesen zur Nahrungssuche nutzen,
- sowie Reptilien und Amphibien, die auf die feuchten Randbereiche angewiesen sind.
Diese Strukturen – alte Bäume, Hecken, Streuobst und extensiv genutzte Wiesen – bilden ein eng vernetztes, funktionierendes Lebensraumsystem.
Mit einer Bebauung würden diese Lebensräume zerstört oder dauerhaft zerschnitten, was insbesondere für Vögel mit Revierbindung und für Fledermäuse nicht kompensierbar wäre.
⚠️ Fachliche Bewertung des Gutachtens
Im Umweltbericht wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass durch die geplante Inanspruchnahme der Fläche Verstöße gegen die artenschutzrechtlichen Zugriffsverbote (§ 44 BNatSchG) nicht ausgeschlossen werden können. Für bestimmte Arten wären individuelle Vermeidungs- oder Ausnahmeprüfungen erforderlich – ein klarer Hinweis auf hohe ökologische Sensibilität und fehlende Bauverträglichkeit.
Das Gutachten spricht von einem „hohen Risiko signifikanter Beeinträchtigungen“ für die lokalen Populationen streng geschützter Arten.
🌳 Bedeutung für den Landschaftsverbund
Die Fläche Dünningsbruch erfüllt zudem eine wichtige Trittstein- und Vernetzungsfunktion zwischen den Landschaftsräumen im Süden Hagens und dem Ruhrtal.
Ein Verlust dieser Verbindung würde die ökologische Durchlässigkeit der Stadtlandschaft weiter reduzieren – ein Punkt, den auch das LANUV NRW regelmäßig als problematisch bewertet.
⚖️ Fazit: Keine vertretbare Grundlage für Bebauung
Das Umweltgutachten bestätigt, was viele Menschen vor Ort seit Langem spüren:
Eine Bebauung am Dünningsbruch würde einen ökologischen Schaden von außergewöhnlicher Größenordnung verursachen.
Die Zerstörung gewachsener Landschaft, fruchtbarer Böden und natürlicher Lebensräume lässt sich nicht sinnvoll ausgleichen.
Damit fehlt dem Projekt aus umweltfachlicher Sicht die Grundlage für eine verantwortbare Umsetzung.
💬 Unser Appell
Wir fordern die politisch Verantwortlichen auf, diese Fakten ernst zu nehmen und die Pläne zur Bebauung des Dünningsbruchs zu stoppen.
Stattdessen sollte die Stadt Hagen die Fläche als ökologisch wertvollen Freiraum sichern und weiterentwickeln – als Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung und gelebten Bodenschutz.
Quellen und Nachweise
Steckbrief zur Fläche Im Dünningsbruch
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