Zum Inhalt springen

Politischer Wille statt fachlicher Nachweis?

Widersprüche zwischen Verwaltungsaussage und Realität im Bauvorhaben „Gesamtschule Dünningsbruch“

In der öffentlichen Debatte um die geplante Gesamtschule im Landschaftsschutzgebiet Dünningsbruch wird zunehmend deutlich: Die Erzählung der Verwaltung hält einer sachlichen Prüfung nicht stand. Neue Stellungnahmen offenbaren einen eklatanten Widerspruch – insbesondere zur bisherigen Darstellung des Oberbürgermeisters.

Alles geprüft? Die Aktenlage sagt etwas anderes.

In der Ratssitzung erklärte Oberbürgermeister Erik O. Schulz sinngemäß, die Fragen zur Standortentscheidung seien längst beantwortet. Man solle die Verwaltung mit „Beschäftigungstherapie“ verschonen. Die Botschaft: Die Sache ist durch – weitergehen.

Doch genau diese Haltung gerät jetzt ins Wanken.

Denn in der aktuellen schriftlichen Antwort auf einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz stellt die Stadtverwaltung klar:

„Vergleichsanalysen zu alternativen Standorten liegen zurzeit nicht vor.“
„Eine Pflicht zur verfahrensunabhängigen (Vor-)Prüfung von Standortalternativen gibt es nicht.“

Mit anderen Worten: Es gibt keine nachvollziehbare, dokumentierte Alternativenprüfung. Und das ausgerechnet bei einem Schulbau in einem sensiblen Landschaftsraum, der erhebliche Auswirkungen auf das Stadtbild, den Verkehr und die Umwelt haben wird.

Politischer Wille ersetzt keine fachliche Begründung

Zwar verweist die Verwaltung in der Ratssitzung und in der schriftlichen Stellungnahme auf politische Beschlüsse und Drucksachen – etwa die Vorlage 0747/2023 – doch eine transparente, systematische Abwägung verschiedener Standorte ist aus keiner dieser Quellen belastbar zu erkennen.

Es bleibt unklar:

  • Welche Kriterien wurden angesetzt?
  • Welche Alternativen wurden konkret geprüft?
  • Warum fiel die Wahl trotz bekannter Herausforderungen (Verkehr, Naturraum, Grundwasser) auf genau diesen Standort?

Statt nachvollziehbarer Fakten erleben Bürgerinnen und Bürger eine Mischung aus Verweisen, politischen Schuldzuweisungen und patziger Abwehrhaltung.

Die Verantwortung dafür liegt nicht nur bei der Verwaltung – sie liegt auch bei den politischen Mehrheiten, die diesen Prozess offenbar mitgetragen, aber nicht aktiv hinterfragt haben. Wer sich heute auf Drucksachen aus 2023 oder gar 2020 beruft, darf nicht übersehen: Diese Beschlüsse wurden ohne eine nachvollziehbare Alternativenprüfung gefasst. Das ist kein Verwaltungsversäumnis allein – das ist eine politische Entscheidung.

Politik in der Pflicht – aber nicht in der Verantwortung?

Wer sich heute hinter alten Beschlussvorlagen versteckt, trägt zur Verschleierung statt zur Aufklärung bei. Die betroffenen Fraktionen – insbesondere CDU, SPD und Grüne – haben die Entscheidung für den Dünningsbruch politisch abgestützt. Doch sie schulden der Öffentlichkeit bis heute eine inhaltliche Begründung dafür, warum genau dieser Standort alternativlos sein soll.

Die in der Stellungnahme benannten Vorlagen enthalten keine Bewertungsmatrix, keine nachvollziehbare Gewichtung, keine Veröffentlichung der geprüften Grundstücke. Wenn es diese Dokumente gibt, gehören sie auf den Tisch. Wenn es sie nicht gibt, stellt sich die Frage: Worauf genau basierte der Beschluss eigentlich?

Ein Glaubwürdigkeitsproblem entsteht

Die neue Stellungnahme offenbart nicht nur eine fachliche Lücke – sie stellt auch die Glaubwürdigkeit des Oberbürgermeisters in Frage. Wer in öffentlicher Sitzung erklärt, alle Fragen seien beantwortet, muss sich daran messen lassen, ob diese Antworten auch dokumentiert und überprüfbar sind.

Das ist hier nicht der Fall. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass politische Mehrheitsentscheidungen als Ersatz für saubere Verwaltungsprozesse herhalten müssen.

Fazit: Kein Durchwinken ohne Aufklärung

Der Standort Dünningsbruch ist nicht nur ein Verwaltungsthema. Er ist ein Prüfstein für politische Verantwortung. Wer heute sagt, alles sei geprüft worden, muss belegen, was geprüft wurde – und wie.

Bis dahin bleibt festzuhalten: Die Entscheidung wurde politisch gewollt, aber nicht öffentlich nachvollziehbar gemacht. Und das ist in einer Demokratie ein ernstes Problem.


Weitere Informationen zum Dünningsbruch

Bürgerbeteiligung im Dünningsbruch

Bürgerbeteiligung im Dünningsbruch

Warum das Verfahren jetzt erst richtig beginnt Mit der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit n…

Dünningsbruch Weide

Klarstellung schafft Vertrauen – Zur Pressemitteilung der Stadt Hagen

Warum wir die Reaktion der Stadt Hagen begrüßen – und den Dialog fortsetzen wollen In dervergangenen…

Hagen Duenningsbruch Wohnbebauung

Trojanisches Pferd?

Die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans liefert das Anschauungsmaterial Der Begriff vom „Trojani…

Dünningsbruch Weide

Bürgerinitiative Halden-Eppenhausen: Vom Wahlkampf zur Sacharbeit – Neuer Rhythmus, neue Themen, neuer Ort

Nach der Kommunalwahl richtet die Bürgerinitiative Halden-Eppenhausen ihren Blick nun konsequent nac…

🌿 Umweltgutachten bestätigt: Bebauung am Dünningsbruch wäre ein ökologisch maximaler Eingriff

🌿 Umweltgutachten bestätigt: Bebauung am Dünningsbruch wäre ein ökologisch maximaler Eingriff

Der Dünningsbruch ist nicht nur grün, sondern lebendig – ein Rückzugsraum, den es zu bewahren gilt.

Conu Hagen Brandschutz

Cuno-Berufsschule: Neue Standortideen eröffnen Chancen – jetzt ist die Politik und die Schuldezernentin am Zug

Statt einer langwierigen, teuren und konfliktbehafteten Lösung im Dünningsbruch bietet sich Hagen di…

Parkkonzept Dünningsbruch

Parkkonzept: Klimaschutz, Artenvielfalt und Erholung – richtig gedacht, klug gemacht

Mit dem vom NABU Stadtverband Hagen erarbeiteten Parkkonzept für den Dünningsbruch liegt ein Plan vo…

Antrag CDU

Bürgerdialog trägt Früchte

CDU stellt Antrag zu kritischen Fragen im Bebauungsplanverfahren Dünningsbruch Die Bürgerinitiative …

Lösung Kirchberg

Kirchberg statt Dünningsbruch: Die Gesamtschule, die längst gebaut werden könnte

Hohenlimburg braucht eine Gesamtschule – und zwar dringend. Eltern fordern sie, Kinder verdienen sie…

Minimaler Eingriff? Nicht mehr haltbar – Rodung bedroht geschützten Landschaftsbestandteil

Minimaler Eingriff? Nicht mehr haltbar – Rodung bedroht geschützten Landschaftsbestandteil

Von außen wirkt alles nach geordnetem Verfahren. Die Stadt Hagen hält unbeirrt an der Planungsvarian…

Die grüne Heuchelei in Hagen: Klimaschutz predigen, Naturzerstören beschließen

Die grüne Heuchelei in Hagen: Klimaschutz predigen, Naturzerstören beschließen

Es ist Wahlkampf in Hagen – und die Grünen zeigen sich wieder einmal von ihrer besten Seite. Entlang…

Dünningsbruch wird Wohnbebauung

Versteckte Baulandgenehmigung im Dünningsbruch: Mehr als nur eine Schule

Was als zukunftsweisendes Schulprojekt kommuniziert wurde, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als…

Dünningsbruch Weide

🕵️‍♂️ Aufklärung statt Meinungsmache:

Wie Dünningsbruch.de recherchiert – und warum wir dranbleiben In Zeiten wachsender politischer Nervo…

Wenn’s mit der Planung eng wird, verschwinden eben die Quellen

Wenn’s mit der Planung eng wird, verschwinden eben die Quellen

Im Zuge der aktuellen Bauplanungen im Gebiet Im Dünningsbruch, Für die Gesamtschule, den Ladepark un…

Politischer Wille statt fachlicher Nachweis?

Politischer Wille statt fachlicher Nachweis?

Widersprüche zwischen Verwaltungsaussage und Realität im Bauvorhaben „Gesamtschule Dünningsbruch“ In…

Schulpolitik ohne Kompass: Fehlende Gesamtschule in Hohenlimburg – ein strukturelles Defizit mit Folgen

Schulpolitik ohne Kompass: Fehlende Gesamtschule in Hohenlimburg – ein strukturelles Defizit mit Folgen

Hagen-Hohenlimburg ist ein großer Stadtteil mit der Notwendigkeit von Bildungsvielfalt. Doch das Sch…

Grünen stellen klar

Das große Märchen vom „Prüfverfahren“

Wie ein einziges Kriterium zum Vorwand gemacht wird Seit Monaten wird der Öffentlichkeit gebetsmühle…

Ein Schulneubau, der Hagen krank machen wird

Ein Schulneubau, der Hagen krank machen wird

Warum der Dünningsbruch über Leben und Gesundheit entscheidet! Viele Menschen in Hagen diskutieren d…

Waldgrenze

Planung auf dem Stand von 1994 – Wie realistisch ist die Flächenverfügbarkeit im Dünningsbruch wirklich?

Ein Bild, das mehr sagt als jede Planungsskizze Das Foto zeigt den heutigen Zustand der Fläche, die …

Haldener Bach

Das Dünningsbruch aus der Sicht der Tiere – warum es gerade an heißen Tagen unverzichtbar ist

Das Dünningsbruch ist nicht einfach nur ein ungenutztes Gelände – es ist ein lebendiger Rückzugsraum…

Hitzeplan Stadt Hagen Duenningsbruch

Der Hitzeaktionsplan der Stadt Hagen: Warum seine Missachtung zur Gefahr wird

Ein städtischer Klimaplan, der klare Grenzen zieht – und eine Politik und Stadtverwaltung, die sie i…

Gesamtschule als Türöffner für Wohnbebauung?

Gesamtschule als Türöffner für Wohnbebauung?

Gesamtschule im Dünningsbruch ist Teil eines Gesamtkonzepts Was eine Stellungnahme offenbart – und w…

Dünningsbruch konkreter Vorschlag SPD CDU Grünen Hagen

Alternativlos? Oder doch ein konkreter Vorschlag?

Der Vorschlag zur Bebauung des Dünningsbruch ist kein Ergebnis einer offenen Prüfung – sondern ein n…

Die Stadt geht ALL-IN – doch wie gut ist das Blatt?

Die Stadt geht ALL-IN – doch wie gut ist das Blatt?

Am 22. Mai wurde im Rat der Stadt Hagen erneut deutlich: Die Verwaltung setzt beim Bau der neuen Ges…

Entwicklung Bevölkerung und Schulfplicht Dünningsbruch

Gesamtschule? Ja – aber jetzt, nicht erst frühestens 2031!

Bevölkerungsrückgang, sinkende Schülerzahlen – und trotzdem ein neues Großprojekt? Der Bau einer neu…

Verkehssituation Duenningsbruch

Offener Brief an die Ratsfraktionen der Stadt Hagen

Bauen unter Zeitdruck – aber auf welchem Fundament? Sehr geehrte Damen und Herren, die Diskussion um…

nur eine Alternative Fachhochschule

Fakten statt Floskeln: „Alternativlos“ – wirklich?

Warum das Bauvorhaben Im Dünningsbruch kein Sachzwang, sondern eine politische Entscheidung ist und …

Nein zur Bebauung Dünningsbruch

Naturschutzbeirat lehnt Bebauung im Dünningsbruch einstimmig ab

Am 6. Mai 2025 hat der Naturschutzbeirat der Stadt Hagen in seiner Sitzung NB/03/2025 einstimmig geg…

Dünningsbruch fragt – Politik antwortet

Dünningsbruch fragt – Politik antwortet

Worum geht es?Die Stadt Hagen plant die Errichtung einer neuen Gesamtschule mit Sportanlagen im Gebi…

Widerspruch beim Timing

Widerspruch beim Timing

Eröffnung der Gesamtschule und der Umzug der Fachhochschule Südwestfalen im gleichen Jahr? Ausgangsl…

HEader Duenningsbruch

🌿 Was ist der Dünningsbruch?

Der Dünningsbruch ist ein einzigartiges Stück Natur in Hagen – ein grünes Band aus Wiesen, alten Bäu…

Vogelstimmenwanderung im Dünningsbruch – Ein lebendiger Lebensraum in Gefahr?

Vogelstimmenwanderung im Dünningsbruch – Ein lebendiger Lebensraum in Gefahr?

Bei einer geführten Vogelstimmenwanderung im Dünningsbruch erkundeten interessierte Teilnehmende gem…

Gesamtschule, Wohnungsbau oder Naturschutz? – Der Dünningsbruch im Spannungsfeld der Stadtentwicklung

Gesamtschule, Wohnungsbau oder Naturschutz? – Der Dünningsbruch im Spannungsfeld der Stadtentwicklung

Im Hochschulviertel Hagens rückt der Dünningsbruch immer wieder in den Fokus öffentlicher Debatten. …